Heilpraktiker - Ausbildung und Perspektiven

Die Ausübung des Heilpraktikerberufes wird in Deutschland durch das Heilpraktikergesetz reglementiert. Demnach sind Heilpraktiker ist in Deutschland Personen, die nach einer entsprechenden Prüfung befugt sind, ohne ärztliche Approbation heilend tätig zu sein. Seine Befugnisse sind im Vergleich zu denen eines Arztes gesetzlich limitert. So darf ein Heilpraktiker zb. keine verschreibungspflichtige Medikamente verordnen, und auch die Behandlung einer Reihe von Infektionskrankeiten ist ihm untersagt.

Die Berufsbezeichnung Heilpraktiker ist in Deutschland geschützt. Die Zulassung erfolgt über eine sog. amtsärztliche Überprüfung, deren Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland variieren. Zu den Grundbedingungen zählen neben einem einem Hauptschulabschluß und einem Mindestalter von 25 Jahren ein polizeiliches Führungszeugnis und ein amtsärztliches Attest. Die Zulassungsprüfung selbst gliedert sich in einen schriftlichen und mündlichen Teil und enthält Fragen zu schulmedizinischem Basiswissen, u.a. aus den Bereichen Anatomie, Diagnostik, Pathologie, Pharmakologie und Therapie. Die Tatasche, dass je nach Bundesland bis zu 80% der Kandidaten beim ersten Anlauf durchfallen, unterstreicht das hohe Niveau dieser Prüfung.

Ausbildungsweg und Vorbereitung auf die Zulassungsprüfung unterliegen dagegen keinerlei gesetzlichen Bestimmungen, weswegen Heilpraktiker in Deutschland nicht als Ausbildungsberuf gilt. Die Ausbildung findet an privaten Schulen und Instituten statt, die ein breites Spektrum an Abend- und Wochenendkursen sowie Teilzeit- und Fernkurse anbieten. Die Kosten für ein 24-monatiges Fernstudium schwanken im Schnitt zwischen 1500 und 2000 Euro, können aber je nach Institut auch 6000 Euro betragen. Die Dauer der Ausbildung beträgt druchschnittlich zwischen 1 und 3 Jahren, die 6-monatige intensive Vorbereitung auf die amtsärztliche Überprüfung mitgerechnet. Eine verlässliche Anlaufstelle für Fragen zu Schulen, Adressen und Kursangeboten ist der Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V.

Das Berufsbild des Heilpraktikers lässt sich in vier Hauptgruppen unterteilen:

+ Energetische Verfahren - Hierbei wird mit Energien gearbeitet, welche auf verschiedene Methoden aus Hilfsmitteln extrahiert werden. Hierzu zählen z.B. Schüßler-Salze, Bachblüten etc.

+ Manuelle Verfahren - Sämtliche Arten von Massagen, Osteopathie oder Kinesiologie

+ Invasive Verfahren - Gewebsverletzende medizinische Therapeutik wie zum Beispiel Akupunktur, Injektionen, Infusionen oder Neuraltherapie.

+ Sonstige Verfahren - Ernährungsberatung, Farbtherapie, Phytotherapie, elektrische Verfahren, Hypnose - um nur einige zu nennen.

Das Interesse in der Bevölkerung an der Naturheilkunde ist groß und die allgemeine Akzeptanz gegenüber alternativen Heilmethoden steigt. So zahlen seit 2007 deutsche gesetzliche Krankenkassen für Akupunkturbehandlungen zur Schmerztherapie bei chronischen Beschwerden in Wirbelsäule oder Knien. Die  Bereitschaft von Krankenhäusern, Personal im Bereich der Naturheilkunde fortzubilden, hat zugenommen, und auch der Bedarf an Heilpraktikern in der Onkologie und Psycho Onkologie steigt. Hierdurch erweitert sich auch das Spekturm von Tätigkeiten, in denen Heipraktiker sich wirkungsvoll einbringen können. Über die klassischen Berufsbilder Heilpraktiker, Psychotherapeutischer Heilpraktiker (ohne Vollzulassung, "kleiner Heilpraktiker") und Tierheilpraktier hinaus finden Heilpraktiker heute immer öfter auch in der Wirtschaft (Kommunikationscoaching, Innovations- Kreativitäts und Stressmanagement) und im Beauty- und Wellnessbereich (Massage, Wellnesstraining, Aging-Beratung, Naturkosmetik) sinnvolle und vielversprechende Betätigungsfelder vor.

Der steigenden Nachfrage nach sanften Schönheitskorrekturen auf naturheilkundlicher Basis stehen die Deutschen Heilpraktikerverbände kritisch gegenüber, da die Tätigkeit des Heilpraktikers ausschließlich dazu dienen soll, Gesundheit auf naturheilkundlichem Wege zu erhalten - ästhetische Verschönerungen sollten also nur indirekt, also zB. über den Weg der Verbesserung von Körperfunktionen wie der Durchblutung erfolgen. Streng genommen wird daher zwischen therapeutischen Anwendungen wie Gesichtsakupunktur, mit deren Hilfe sich z.B. auch Hautfalten reduzieren lassen, und anderen Wellnessanwendungen unterschieden. Dennoch gibt im Wellnessbereich die Fachkompetenz des Heilpratikers, der in beratender Funktion die Wirkung der jeweiligen Anwendung einschätzt und entsprechend empfiehlt, oft den Auschlag.

Nach der erfolgreich absoliverten amtsärztlichen Überprüfung benötigt der Heilpraktiker zur Eröffnung einer Praxis noch eine Genehmigung durch das lokale Gesundheitsamt. Danach wird er im Sinne von §18 des deutschen Einkommensteuergesetzes als Freiberufler tätig.

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